Einen T6 gab es bei Klepper schon in der Vorkriegszeit. Dieser hatte ein besonders schönes Gerüst mit leichten Spanten. Der Materialquerschnitt war Doppel-T-förmig, daher das 'T' im Namen. Diese Leichtbauweise stammte vom Flugzeugbau.
Solch aufwendige handwerkliche Arbeit ist heute unbezahlbar. Schon nach dem Krieg wurde die Bauweise vereinfacht. Dennnoch ist der T6 bei fast unveränderter Form ein schönes Universalboot geblieben. Die Scharniere in den Bordwänden und im Boden liegen zwischen den inneren Spanten. Man braucht also in der Haut nur noch den Mittelspant einzusetzen, was den Aufbau erleichtert.
Das Gerüst konnte ich mal unterwegs abholen, sowas gibts ja selten gleich um die Ecke. Eine Haut war nicht mehr vorhanden. Dafür fand sich eine andere Quelle. Das Unterschiff war ausgehärtet. Der Deckstoff aber war gut und kann weiterverwendet werden. Das sorgt für ein authentisches Bild. Für ein sammelwürdiges Boot ist das bei mir inzwischen Voraussetzung.
Aus einem Klepperprospekt von 1957
Aus einem Klepperprospekt von 1958
Meistens gibt es keine Original-Packtaschen mehr. Hier hatte ich Glück. Die Stablänge ist größer als bei späteren Kleppern, daher passen andere Stabtaschen meistens nicht. Es gibt einige Löcher zu flicken.
Interessanterweise hat damals wohl jemand die optionalen Beckenstützen gekauft. Diese passen auch z.B. an einen Slalom 55 und andere Faltboote. Sie erzeugen einen besseren Bootskontakt.
Nicht schön: Ein Vorbesitzer hatte das Saumband orange nachlackiert, das bleicht mit der Zeit aus. Gut gemeint, aber leider sah das nicht gut aus, und Lack wurde dabei auf den blauen Deckstoff gekleckert. Also mussten die Bänder entfernt werden. Dann wurden die Lackkleckse abgeschabt, und das Band mit der sauberen Innenkante nach aussen wieder angenäht. Das sieht nun fast aus wie neu. Bedeutete aber mehrere Stunden Arbeit...
Das fertig vorbereitete Deck. Auf der Unterseite wurden die Spantenpositionen angezeichnet. Beim zusammennähen von Deck und Haut müssen diese genau stimmen.
In der Zwischenzeit waren die Packsäcke in der Waschmaschine. So staubig wie die waren, dürfen die nicht unter meine Nähmaschine für Reparaturen.
Für das Unterschiff kommt eine alte Poucher Plane zur Verwendung. Gereinigt wird sie mit Waschmaschinen-Waschpulver (weil das billig ist, nicht weil das besonders gut funktioniert). Weitere Nacharbeit erfolgt erst an der fertigen Haut. Es gibt dann auch ein paar Abschürfungen zu behandeln (einfach mit Seamgrip). Zu einem Originaldeck mit Patina passt auch kein neuwertig aussehendes Unterschiff. Und neue Macken gibts ja eh bald. Das Boot wird ja bald wieder gepaddelt.
Die Kielnaht wurde bereits mit Zickzackstich zusammengenäht. Das Unterschiff wird nun abschnittweise abgespannt. Es gibt einfach nicht genug Haken für alles auf einmal. Es geht ja nur darum, die Kante genau anzuzeichnen. Die wird mit 25mm Zugabe angezeichnet.
Geschafft. Alles stramm. Hier ist nur der Bugbereich abgespannt. Auch hier wurden nun die Spantenpositionen angezeichnet.
Jetzt ist alles fertig vorbereitet für die Hochzeit von Haut und Deck. Die Zickzacknaht wurde innen noch mit einem PVC-Streifen abgedeckt. Wie immer schneide ich diesen aus einem ausgedienten Rollverschlussbeutel.
Hier muss sehr präzise die Naht geplant und genäht werden, damit hinterher das Saumband möglichst gleichmäßig 3mm weit raus steht. Das Band ist 10mm breit, bei 7mm soll abgenäht werden. An der Haut angezeichnet ist eine Linie mit 15mm Abstand zum Rand. Macht in Summe 22mm Überstand der Haut nach innen. 25mm waren geplant, ich wollte aber die Spannung etwas zurück nehmen. Lieber ein bisschen weniger Schweiss beim Aufbau, als das letzte Quäntchen Hautspannung.
Das sieht gelungen aus.
Jetzt folgen noch Klebearbeiten, und die sind langwierig. Man muss immer Trockenzeiten abwarten. Hier der Hecksteven mit Kielstreifen. Das hat zwei Stunden Zeit gebraucht.
Und weil man die Wartezeit ja auch nutzen kann, klebt man mal so nebenbei Details von der alten Originalhaut um. Mal sehen ob es hält oder einfach zerbröselt wenns nass wird.
Letzter Akt vor der Probefahrt: Der Steuerbeschlag wurde angebracht. Zuvor musste das Gerüst aus der Haut, was problemlos ging. Hoffentlich geht es auch problemlos wieder rein in den nun veränderten Steven.
Es ging.
Nach der Probefahrt wurde zum Trocknen der Süllrand abgenommen. Der Keder schmiert, das heisst, die äußere Gummischicht löst sich auf. Ich habe bewusst keinen neuen Keder angenäht. Das sollte original bleiben, und irgendwann hört das auf zu schmieren.
© September 2026, Wolfgang Bion
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