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Nach der Probefahrt an einem windstillen Tag Ende Oktober. Der SL55 ist ein kompaktes, leichtes und flottes Boot (für ein Faltboot). Es macht Spass, sobald man drin sitzt. Ein- und Ausstieg sind eher akrobatisch...

Klepper Slalom 55 aus den 1950ern

Das ist mein zweiter Slalom 55. Den ersten habe ich mir abschwatzen lassen, und ihn irgendwie vermisst. Dieser hier brauchte ein neues Unterschiff, das Oberdeck ist noch gut erhalten. Auch das Gerüst ist nach 70 Jahren solide. So mag ich es.

Aus einem Klepperprospekt von 1957




Der Slalom 55 im Fundzustand. Daneben ein Wiko-Einer.

So sieht eine völlig ausgehärtete Haut aus. Dennoch liess sich das Boot gut abbauen. Das Gerüst klebte noch nicht in der Haut fest.

Das Deck ist gut erhalten und benötigt nur wenige Reparaturen.

Die Stevenspitzen werden als Muster aufgehoben, bis alles fertig ist.

Die Längsteile mussten nur abgewaschen werden, sie brauchen keinen neuen Lack.

Ebenso gut erhalten sind die Spanten. Der Süllrand könnte mal Lack vertragen und eine Schraube ist abgebrochen. Man sieht, dass das Boot nicht einfach runtergerockt, sondern immer gepflegt wurde.
Notiz zur Aufbaureihenfolge: Spanten auf der Bodenleiter aufstellen, Kielstab einsetzen, dazu den Mittelteil der Bodenleiter hochklappen. Dann erst Bordwände und Deckstab einsetzen.

Das Deck wurde über das Gerüst gespannt, um die Spantenpositionen auf der Unterseite zu markieren.

Da der Stoff sehr stark gespannt werden muss, wurden diese Stevenschuhe aus Plane angenäht. Das hat gut funktioniert. Im Deckstoff gibt es noch ein paar Löcher zu reparieren.

Nebenher: Die originalen Beckenstützen, die ich mit dem T6/48 bekommen habe, sollten eigentlich auch für den SL 55 passen. Sie wären aber sehr auf Biegung belastet, da der Süllrand schräger steht als beim T6. Daher baue ich eigens für den SL 55 neue Beckenstützen. Diese überdecken den Süllrand nur knapp und können sich daher weiter nach aussen bewegen. Das wasserfest verleimte 4mm Flugzeugsperrholz war leider teuer, ist aber hochwertig.

Da keine Senkkopf-Nieten mehr vorhanden waren habe ich welche aus Reststücken von verwendeten Nieten selber gefertigt. Der Halter wird mit dem Rohling in den Schraubstock eingespannt, dann kann man den Nietenkopf ausformen.

Hier sieht man den Unterschied zum Original.

Jetzt passen die Beckenstützen gut hinein. Sie machen es aber nicht geräumiger im Boot. Man sitzt schon mit sehr gutem Bootskontakt, und so soll es auch sein. Aber wenn ein Ende 50-Jähriger unbedingt ein Wettbewerbsboot für junge Athleten paddeln will, darf er auch nicht jammern :-) Die Gurte sind übrigens auch nachgefertigt.

Das erste Aufspannen des Hautmaterials (alte Haut vom MTW Kolibri) dient nur dazu, die Position der Bootsspitzen festzulegen. Ziel sind möglichst kurze Stevennähte. Dafür muss möglichst weit in die Spitzen hinein abgespannt werden, bevor man die Stevennaht festlegt. Wenn man es übertreibt, kommt wenig Spannung auf die Seitenbereiche längs der Bordwände/Dollborde, auch wenn am Boden schon viel Spannung in Längsrichtung besteht. Das erleichtert aber auch den späteren Aufbau. Es darf nur nicht zu Faltenbildung kommen.

Sind die Positionen der Bootsspitzen festgelegt, werden sie um 2cm an jedem Bootsende verkürzt und einige Zentimeter zusammengenäht. Dann kann bei einem zweiten Aufspannen die Stevenlinie angezeichnet werden. Diese wird ausgeschnitten und per Zickzack zusammengenäht.

Zum dritten Mal aufgespannt zeigt sich: Hier muss korrigiert werden. Leider wurde auch noch eine zweite Korrekturrunde nötig, und ein viertes Aufspannen.

Mit den verwendeten S-Haken am Hautrand und vorbereiteten Schnüren geht das zum Glück schnell. Hier wurde nun ganz bis in die Spitzen nochmal stramm abgespannt.

Am Ende sitzt alles hinreichend stramm. Jetzt können die Bordwandlinien und die Spantenpositionen angezeichnet werden. Zum Abschluss des Tages habe ich noch die Stevennähte und ein paar alte Schürfstellen mit Seamgrip abgedichtet.

Eigentlich wollte ich das gar nicht zeigen. Das passiert, wenn die angezeichneten Spantenpositionen beim zusammennähen von Haut und Deck sich immer weiter verschieben. Die ganze Haut ist auf Torsion verdreht, vorne wie hinten. Die Decknaht zieht sich von der Bordwandkante weg. Das ist zwar paddel- aber nicht vorzeigbar.
Wie weiter oben gezeigt, musste das Deck stark gedehnt werden, um über das Gerüst gespannt zu werden. Diese Dehnung konnte ich beim Zusammennähen nicht einfach durch ziehen herstellen. Ich musste alles wieder auftrennen, um eine Erfahrung reicher.

Beim nächsten Versuch wurde das Deck mit dem Dampfbügeleisen stark vorgedehnt. Ausserdem wurden Deck und Haut nicht, wie sonst bisher immer, nur mit dem Bürotacker fixiert. Ich habe alle angezeichneten Spantenpositionen, und jeweils einmal dazwischen, mit 2-3 cm langen Nähten etwas ausserhalb der späteren Nahtlinie zusammengenäht. Das ganze bis in die Spitzen weiter geführt, so weit es ging. Dann war die Naht gut vorbereitet, um einigermaßen stressfrei über die ganze Länge genäht werden zu können. Das hat dann endlich gepasst. Den Tacker verwende ich in Zukunft nicht mehr.

Jetzt sitzt das ganz genau auf Kante.

Es folgten noch die üblichen Klebearbeiten: Stevenkappen und Kielstreifen bis über die Stevennaht. Mehr nicht, solange kein Bedarf 'sichtbar' wird. So intensiv wird das Boot nicht genutzt werden, dass hier ein größerer Aufwand gerechtfertigt ist.

 

© September/Oktober 2026, Wolfgang Bion
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