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Eigenbau-Bootswagen a'la Pionier

Ich will ja nicht schlaumeiern, aber wenn ich mir die heutzutage angebotenen Bootswagen angucke, drängt sich mir der Gedanke auf: Reichlich hochpreisig, und für den Gepäcktransport mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht optimal geeignet, weil (zumindest mir) ständig das Gepäck verrutscht. Die Auflagefläche fürs Boot bzw. Gepäck ist zu klein, oder sie besteht nur aus zwei quer liegenden Rohren und zwei Riemen. Spätestens wenn man den bepackten Bootswagen mal aufrecht in die Ecke im Zug stellen will, verrutscht alles. Die Hauttasche auf der Stabtasche verrutscht schon beim 'Wagerln' auf ebener Strecke, egal wie fest man die Gurte zieht.
Hier fehlt einfach die grosse Auflagefläche und der Seitenhalt. Beides scheint es früher schon mal gegeben zu haben, als Faltboote noch 'ehrlich' per Bahn und Bus ans Wasser gebracht wurden. Was die damals alles veranstaltet haben! Na, anderes Thema...
Auf alten Fotos findet man dann unzählige verschiedene Bootswagentypen, die es heute so nicht mehr gibt. Z.B. diese hier, die Bilder habe ich aus dem Netz gesaugt (Urheber bitte bescheid sagen, wenn es ein Problem sein sollte):



Letzterer war das Vorbild für meinen Eigenbau-Bootswagen. Der wurde von Pionier gebaut.


Diese Bootswagen von Pouch sind hervorragend geeignet um viel Gepäck zu transportieren. Leider sind sie sehr schwer, und vor allem sind sie sehr breit, das macht Probleme in Bus und Bahn. Und jedesmal abladen ist nicht mein Ding.


So sah das dann aus, wenn die alten Recken loszogen. Das Bild ist von einer Ausstellung und sieht für mich ideal aus.

Der Wagen hat eine grosse Auflagefläche. Die beiden Streben, die seitlich hoch ragen und oben einen eigenen Riemen haben, geben der Hauttasche guten Halt, und wahrscheinlich auch so einigen Taschen mehr. Ausserdem lässt sich der Wagen mit wenigen Handgriffen zu einem schlanken Stabpaket zusammenlegen, das seitlich im Boot Platz findet. Aufgebaut steht er in einem günstigen Winkel um beladen zu werden. Im Gegensatz dazu haben die üblichen Bootswagen mit zwei Rohrbügeln die Angewohnheit, sich zusammenzufalten, sobald man sie loslässt. Zumindest fallen sie um.

Für meinen Eigenbau verwende ich Eschenholz, teils von alten Leisten aus meiner Sammlung vor dem Feuer geretteter Altteile, teils aus einer Eschenbohle herausgeschnitzt. Als Räder nehme ich dicke Luftreifenräder mit Kugellager, bestimmt nicht die leichtesten, und im Boot auch eher voluminös, aber für 'ernsthafte' Transportaufgaben bewährt.


Die Einzelteile: Die beiden Längsleisten sind 65cm lang (Pouch Bordwandleisten). Die Bohrungen für die 6 Schrauben des Auflage-Rechtecks sind alle 22cm voneinander entfernt, beginnend 3cm vom Ende auf der 'kurzen Seite'.
Die Querleisten sind 28cm lang, die Bohrungen hier ebenfalls 22cm entfernt, die beiden hochstehenden Leisten 24cm. Die Achsleiste ist 41cm lang und 25x25mm im Querschnitt.


Die Unterseite des langen Endes der Längsleisten sind mit Kupferblech geschont, weil hier der Bootswagen auf den Boden aufgestellt wird. Alle Holzteile sind 6-fach mit verdünntem Klepperlack lackiert.


Die gelochten Alublechstücke (20x25mm) werden in Schlaufen der Gurte eingesetzt, dieses Ende wird mit dem Gestell verbunden.


An den Seitenteilen werden die Gurte auf der Unterseite angeschraubt.


Ansonsten werden sie zwischen Längs- und Querleiste eingesetzt.


Schellen aus Alu halten das Achsrohr. Die Schellen sind in das Holz eingelassen, und werden mit 4 Schrauben gehalten. Auf der Rückseite sind die Schraubenlöcher entsprechend andersrum diagonal gesetzt, dass sich die Schrauben nicht in die Quere kommen.


Abweichend vom Pionier-Wagen werden hier die Seitenteile so gehalten. Pionier war schlauer: Die untere Schraube begrenzt bei meinem Bootswagen leider die Faltbarkeit. Ich werde mal austesten, ob diese Halter überhaupt notwendig sind.


Splinte halten die Räder. Sie passen durch die Radnaben, aber nicht durch das Achsrohr. Ein Gummiband, das durch das Rohr verläuft, hält die Splinte unverlierbar zusammen. So ganz zufrieden bin ich damit noch nicht.


So sieht das fertig montierte Gestell aus.


Und so ist es gefaltet. Das Gestell ohne Räder wiegt 1,7kg, mit Rädern sind es stolze 3,8kg. Also könnte ich mit besseren Rädern noch einiges Gewicht einsparen. Im Fahrradbereich gibt es Vorderradnaben für 20mm Steckachse, vielleicht speiche ich mir damit mal einen Satz 12,5" Räder ein.


Der Bootswagen einsatzbereit. Wie stabil der ist wird die Praxis zeigen. Besonders bei einseitigen Schlägen in steinigem Gelände bin ich gespannt, ob da nichts ausbricht. Auch vollbeladen Treppe rauf und runter wird getestet.


Und zur Probe mal den E65 aufgeschnallt. Die Gurte haben noch Überlänge, die richtige Länge will ich aber erst erproben. Der Haut/Spantensack sitzt gut, er kann nicht mehr seitlich runterrutschen. Hochkant hingestellt verrutscht die Stabtasche nicht ein Stückchen, und die Hauttasche nur etwas nach hinten. Bei nächster Gelegenheit muss da mal ein aufgebautes Boot drauf.

Dadurch dass ich die bewährte Pionier-Konstruktion nachempfunden habe, habe ich erst mal grossen Respekt vor der grossartigen Gesamtkonstruktion bekommen. Wie die Details so alle zusammenspielen ist anhand von Fotos kaum zu erfassen. Einige Fehler habe ich gemacht und werde es erst mal dabei belassen, wenn nötig kann ich sie immernoch beheben.

Hier noch ein paar Detailaufnahmen der unlackierten Holzteile und einige Aluteile:



© Februar 2009, Wolfgang Bion
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