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Instandsetzung eines Klepper T67

Der T67 (links), um den es hier geht. Daneben ein Pionier 450s.

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Bootsgerüst Neue Haut Probefahrt

Ein altes Boot zu restaurieren kann genauso reizvoll sein, wie ein neues zu bauen. Ich hatte das Glück, günstig ein altes Gerüst eines Klepper T67 zu bekommen.
Die Modelle T65, T66 und T67 von Klepper waren seinerzeit (1950er Jahre) Sport- und Wildwasserboote, die sehr erfolgreich waren. Sie wurden schliesslich von den Polyesterkajaks verdrängt. Viele dieser Boote sind dann wohl beim Vereins-Osterfeuer in Flammen aufgegangen. Die knappen Restbestände zu erhalten und wieder aufs Wasser zu bringen, fände ich sinnvoll. Denn den besonderen Qualitätsstandart dieser Boote hat Klepper später nie wieder angeboten.
Der T67 gefällt mir von allen Klepperbooten am besten. Seine filigranen Spanten aus dampfgebogenen Holzleisten scheinen noch aus einer Zeit zu stammen, wo Material teurer war als Arbeitskraft. So kann man noch ressourcenschonend produzieren, ganz im Gegensatz zu unserer heutigen Verschwendungssucht.
Auch die Bordwände sind in ihren Materialquerschnitten sehr reduziert. Zusammen mit einem stabilen Leiterkiel und noch zwei Senten je Seite ergibt das ein gut geformtes, leichtes und sehr stabiles Gerüst.

Dies ist meine erste Gerüst-Instandsetzung. Meine Bemühungen zielen nicht darauf ab, eine museumsreife Wiederherstellung oder einen Neuzustand zu erreichen, sondern das Boot dauerhaft nutzbar zu machen. Gebrauchsspuren bleiben oft erhalten, soweit sie die Funktion nicht beeinträchtigen. Das Boot soll ja nicht aussehen wie frisch aus dem Laden, es ist ja schon über 40 Jahre alt und hat seine Gebrauchsspuren mühsam verdient!
In diesem Zusammenhang gibt es noch einen anderen Aspekt: Wenn ein Gerüstteil nicht instandgesetzt wird, sondern gegen ein Originalteil aus einem anderen Gerüst ersetzt wird, gibt es im Laufe der Zeit immer weniger vollständige Gerüste.


In diesem jämmerlichen Zustand war das Boot, als ich es bekommen habe. Ein Wrack, angeboten wurde es mir auch nur zum Ausschlachten.
Das Boot hat offenbar mitsamt Haut lange im Freien gelegen. Dabei ist die Haut eingeschrumpft und hat zerstörerisch auf das Gerüst eingewirkt. Dadurch ist der Süllrand gebrochen und gespalten, und die hinteren Spanten verformt. Der vordere Decksstab ist verbogen, der hintere hat einen Bruch. Der vordere Steven fehlt, der hintere löst sich in seine Bestandteile auf. Beide müssen also ersetzt werden. Die zentralen Bordwandverschlüsse haben grosses Spiel und können keine Kräfte mehr aufnehmen. Die Bordwände sind zwischen den Spanten eingedrückt. Ein sehr klappriger Klepper.

Bestimmt landen solche Gerüste als Ersatzteilspender in irgendwelchen dunklen Ecken und irgendwann werden sie entsorgt. Für mich war es eine interessante Herausforderung.

Für Puristen werde ich allerdings einen Frevel begehen: Ich statte das Boot mit einer Umklapp-Steueranlage aus. Für seinen ursprünglichen Einsatzzweck auf Wildwasser gibt es heutzutage passendere Boote, also will ich die Einsatzmöglichkeiten auf offene Wasserflächen erweitern. Dann erhalte ich ein leichtes Tourenboot, das sich auch auf ein paar spritzigen Wellen wohlfühlt und trotz schlanker Statur innen genug Stauraum für ausgedehnte Touren anbietet. Durch die filigranen Spanten ist es besonders leicht zu beladen, zusätzliche Ladeluken auf Deck werden dies optimieren.

Auf dem ersten Bild oben ist noch ein Pionier 450s abgebildet. Ein schönes Boot mit hochwertigem und stabilem Gerüst, das mir aber zu schwer war (Bahntransport!). Deshalb habe ich es weitergegeben.

© April 2006 und Januar/Februar 2008, Wolfgang Bion
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