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Velomobildesign

Sicherheit

Was ist Sicherheit? -Eine Frage des Überlebens

Unter Sicherheit verstehe ich den Schutz von Fahrern und anderen Verkehrsteilnehmern. Man unterteilt in aktive und passive Sicherheit. Darüber sind schon viele Aufsätze geschrieben worden. Ich fassen hier nur die Stichpunkte zusammen, die direkt in das Velomobildesign einfliessen.

Äussere Sicherheit, -rund und schön

Die Aussenform darf natürlich keine scharfen Kanten aufweisen. Diese Forderung wird von keinem herkömmlichen Fahrrad oder Motorrad erfüllt!

Die Verkleidung eines Velomobils ist hier sowohl Mittel als auch Weg. Runde, ungefährliche Formen ergeben sich praktisch schon aus aerodynamischen Notwendigkeiten. Ein stark gerundeter Bug lässt das Velomobil bei Zusammenstössen mit schweren KFZ in vielen Situationen an der Stosstelle abgleiten (MAY BUG PRINCIPLE), was die Unfallfolgen stark reduzieren kann. Leider hat sich dieses Prinzip bei der eigentlichen Gefahrenquelle, den KFZ, noch nicht durchgesetzt.

Innere Sicherheit, -bis über den Kopf

Auch innen dürfen natürlich keinerlei scharfe Kanten in den Fahrerraum hineinragen. Feste Gegenstände vor dem Fahrer sollten vermieden werden. Dazu zählt auch der Lenker. Seitliche Lenkhebel sind hier günstiger und ergonomischer, wenn man sich an ihnen gut festhalten kann. Meist stützt man hier einen Teil der Tretkraft ab.

Ein Sicherheitsgurt ist in Velomobilen nicht üblich. Bei einem vollverkleideten Fahrzeug könnte ein Beckengurt aber von Nutzen sein, um zu verhindern, dass der Fahrer durch die Frontpartie fliegt. Voraussetzung ist aber, dass der Gurt gut befestigt werden kann. Er muss im schlimmsten Fall hohe Belastungen aufnehmen.

In Höhe des Kopfes sollten feste Gegenstände gepolstert sein. Zum Schutz des Kopfes kann man einen Überrollbügel mit einbauen. Am einfachsten ist es, den Sitz bis über den Kopf zu bauen. Dann hat man auch gleichzeitig eine bequeme Kopf- und Nackenstütze, günstig bei Auffahrunfällen (Ist denkbar: Überholendes KFZ schert wegen plötzlichem Gegenverkehr wieder ein und knallt von hinten auf das Velomobil.)

Sichtbarkeit, -ein Spiel mit Farbe und Licht

Helle Farben und Reflektorstreifen sind die üblichen Mittel, ein Velomobil unübersehbar zu machen. Eine akkugestützte Beleuchtung und eine Blinkanlage sind an einer Vollverkleidung wohl auch nicht übertrieben. Hier kann man aber mit Bauartvorschriften (StvZo) in Konflikt geraten. Der Schutz des eigenen Lebens hat für mich aber höhere Priorität.

Von dem bei Liegerädern machmal gesehenen Wimpel darf man sich aber nicht zu viel erwarten: Sie werden meistens nicht wahrgenommen, oder wenn, dann wird man mit einem langsamen Kinderfahrrad verwechselt. Aerodynamisch wirken sie nicht viel besser als ein Bremsfallschirm. Ich verwende sie nicht.

Sicht, -rundum gut

Die Sicht des Fahrers darf rundum nicht eingeschränkt sein. Ist ein Schulterblick nicht möglich, müssen Spiegel angebracht werden. Eine gute Lösung gibts bei der Leitra: Oberhalb des Kopfes ist ein Panoramarückspiegel in die Verkleidung eingebaut. Nachteilig ist hier aber, dass man nicht gleichzeitig nach vorne sehen kann, wenn man zu diesem Rückspiegel hochblickt.

Eine Frontscheibe ist immer kritisch für die Sicht. Daher ist es am einfachsten, auf eine Frontscheibe zu verzichten. Statt dessen kann man auch einen schmalen Sehschlitz verwenden, der nahe vor den Augen angebracht ist und so die Sicht nicht einschränkt und dennoch vor Regen schützt.

Natürlich ist das nicht die schönste Lösung, aber die einfachste. Eine Kopfumkleidung mit einer Scheibe ähnlich einem Motorradvisier ist die nächst bessere Alternative. Das Visier muss ebenfalls nahe vor den Augen angebracht werden.

Eine Kopfumkleidung mit einer kleinen Sicherheitsglasscheibe und handbetriebenem Scheibenwischer ist bei der Leitra schon jahrelang bewährt. Die Scheibe wiegt 750g und ist ständig geschlossen. Sie muss also regelmässig gereinigt werden.

Für die meisten Entwürfe würde eine flache Glashaube wie beim Segelflugzeug die schönste Optik ergeben, -aber nur von aussen betrachtet. Beim kleinsten Sonnenstrahl wird sie zum Treibhaus. Bei Dunkelheit sieht man nur noch Schlieren und bei Regen nur Sternchen im Scheinwerferlicht. Ein solcher Entwurf ist absolut unbrauchbar.

Geschwindigkeit, -wer bremst gewinnt

Ein Velomobil ist nur so gut wie seine Bremsen. Die Bremskräfte übersteigen dabei alle anderen Kräfte, die auf den Rahmen einwirken. Nicht nur die Bremsen müssen in einwandfreiem Zustand sein, sondern auch der Rahmen muss also ausreichend stabil sein.

Unter den üblichen Fahrradbremsen gibt es eine grosse Anzahl unterschiedlicher Typen und Modelle. Hier zu sparen wäre fatal.

Beim Dreirad ergibt sich ein neues Problem: Die beiden Räder auf der gemeinsamen Achse müssen genau die gleiche Bremswirkung haben, sonst fährt das Fahrzeug beim Bremsen nicht geradeaus. Dies erreicht man durch Hydraulikbremsen, die über einen einzigen Bremshebel betätigt werden. Bei Felgenbremsen montiert man dazu auf der Aussenseite einen feststehenden Bremsklotz und auf der Innenseite jeweils einen Hydraulikbremsgeber.

In den Bergen kann die Hitzeentwicklung der Bremsen problematisch werden. Radverkleidungen aus Textilien sind hier bei Felgenbremsen fehl am Platze. Erste Wahl sind Scheibenbremsen, am besten aus Edelstahl.

Wendigkeit, -die Kurve kratzen

Wo ein Auto im Stadtverkehr durchkommt, geht das natürlich auch mit dem Velomobil. Aber wer möchte schon im stinkenten Autostau steckenbleiben? Um das zu verhindern muss das Velomobil wesentlich wendiger sein. Ein kurzer Radstand hilft hier viel, die Leitra zeigt die untere Grenze mit 80cm. Sie wirkt dadurch etwas wibbelig auf unebenen Strassen und bei heftigem Pedaltreten gerät sie in Schwingungen. 90-110cm sind eher ein guter Wert.

Die Gesamtbreite ist auch wichtig. In Bezug auf die vorhandene Fahrradinfrastruktur ist es sinnvoll, nicht breiter als 1 Meter zu bauen. Bei unter 90cm kommt man auch noch durch normale Türen durch, oft ein grosser Vorteil!

Kippstabilität, -der Fels in der Brandung

Allzu kompakte Abmessungen verringern wiederum die Kippstabilität. Dadurch ist man gezwungen, in Kurven die Geschwindigkeit zu reduzieren, was schade wäre.

Ausser in Kurven kommt die Kippstabilität besonders beim Bremsen zum Tragen. Beim Tadpole-Design (zwei Räder vorne) kann das Rad nach vorne kippen. Fährt man ein Gefälle hinunter, so kann das Rad schon bei leichtem Bremsen eiern. Dies ist beim Frog-Design (zwei Räder hinten) wesentlich besser.

Das Tadpole-Design hat dafür die wesentlich besseren Karten beim Bremsen in Kurven, da sich der Schwerpunkt dann genau in Richtung des kurvenäusseren Vorderrades verlagert. Da es in Alltagssituationen eher vorkommt, dass man plötzlich in einer Kurve bremsen muss um einer Gefahr auszuweichen, ist das Tadpole-Design wohl die günstigere Alternative.

Wartung, -leicht gemacht

Auch dies ist ein Sicherheitsaspekt, denn ein schlecht gewartetes Velomobil ist unsicher. Bei der Auswahl der Komponenten kann man schon viel für die Wartungsfreiheit tun. So sind Nabenschaltungen mit gekapselten Kettenführungen fast völlig wartungsfrei.

Schon bei der Rahmenkonstruktion muss man sich überlegen, wie man möglichst einfach an alle Komponenten herankommt oder Schäden feststellen kann. Ein unsichtbarer Defekt kann fatal werden! Der Wartungsaufwand, auf die Fahrzeit draufgeschlagen, hat auch einen Geschwindigkeitsaspekt. So ist zur Zeit immernoch das Hollandrad das schnellste Fahrzeug der Welt, das Auto das langsamste (hohe Anschaffungskosten und viel Aufwand, der viel Geld kostet, das man unter Einsatz von Zeit erst mal verdienen muss).

Bei der Konstruktion eines Velomobils kann man also viel von der Einfachheit eines Hollandrades lernen!

Vandalismusschutz, -aus dem Auge, aus dem Sinn

Leider ist eines der Probleme beim Liegeradfahren die Angst vor Vandalismus. So ein auffälliges Teil irgendwo unbeaufsichtigt abzustellen ist sicher nicht unproblematisch. Schon Normalfahrräder werden über Nacht dann oft zu Sperrmüll zertreten, was kann dann erst mit einem vollverkleideten Velomobil geschehen!

Gegen Vandalismus gibt es keinen wirklichen Schutz. Man kann aber das Risiko verringern. Das beginnt damit, sich einen geeigneten Abstellort zu suchen. Am besten ist natürlich eine abgeschlossene Garage. Wenn man in der glücklichen Lage ist, eine solche zu besitzen nützt das natürlich nichts, wenn man zum Einkaufen in die Stadt will. Hier stelle ich meine Räder immer so ab, dass ständig möglichst viele Leute daran vorbei kommen. Ich suche also den Schutz der Öffentlichkeit. Das hält schonmal einige potentiellen Täter ab.

Nachts sind alle Katzen grau, da hilft auch das nichts. Dafür habe ich aber eine Idee: Wenn man das Velomobil unter einer grauen Motorradhaube, so eine Faltgarage, versteckt, dann ist es unauffällig. Das ist hier von Vorteil denn auffälliges wird eher angegriffen.

Diebstahlschutz, -Gelegenheit macht Diebe

Gegen Diebstahl helfen die üblichen Fahrradschlösser. Darüberhinaus kann man auch eine Alarmsicherung einsetzen. Es gibt bei Conrad-Elektronik für wenig Geld einen Bausatz für eine Motorrad-Alarmanlage. Die funktioniert sehr gut auch mit einer 9-Volt Blockbatterie.

Schon öfters habe ich beobachtet, wie irgendwelche Auto- oder Motorradalarmanlagen losgingen und es war jedesmal kaum möglich herauszufinden, wo der Alarm herkam. Das Gehupe oder Gepiepe konnte nur schlecht geortet werden. Daher würde ich zusätzlich noch ein Lichtsignal schalten.


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