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Die Fahreigenschaften des unverkleideten Swift

Heute habe ich eine ausgiebige Probefahrt mit dem Swift ohne Verkleidung gemacht. Die Strecke beinhaltete sowohl asphaltierte als auch unbefestigte Wege. Auch einige kurze, knackige Steigungen waren dabei.

Auf ebener, gerader Strecke

Zugegeben, zum schnell Fahren ist das Swift nicht konzipiert. Ich bin meistens Geschwindigkeiten zwischen 20 und 30 km/h gefahren. Dabei lässt es sich sauber lenken. Die Lenkhebel muss man allerdings ruhig halten, am besten nur mit den Fingerspitzen, die Lenkwirkung ist sehr direkt. Die durch das Treten entstehende Unwucht überträgt sich auf das Swift, es fühlt sich etwas schwammig an. Das habe ich aber auch schon bei anderen Liegedreirädern erlebt und es ist nicht weiter tragisch.

Auf rutschigem Untergrund rutscht schonmal beim Anfahren das Hinterrad durch. Da muss man dann etwas die Kraft zurücknehmen. Die Achslast am Hinterrad ist etwas zu gering. Mit Gepäck dürfte das besser werden. Es ist aber auch typisch für ein Dreirad mit zwei Rädern vorne.

Ansonsten ist das Swift sehr leise, nichts klappert. Der Sitz wurde mir aber schnell unbequem. Es stellten sich Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich ein. Ich habe dann dort eine Packung Papiertaschentücher hinter das Polster gesteckt. Dann wurde es besser. Die Rückenlehne ist wohl zu gerade. Das Sitzpolster hat sich aber bewährt. Zwar traten am Anfang geringe Schmerzen am Hintern auf, die verschwanden aber später wieder.

Sehr bequem sind auch die Armlehnen. Ich habe praktisch ständig die Handgelenke dort aufgelegt und die Lenkhebel nur mit den Fingerspitzen gehalten. Dabei ist es gut, dass die Ellenbogen nicht aufliegen, so ist die Bewegungsfähigkeit der Arme nicht eingeschränkt. In Kurven kann man sich trotzdem gut gegen die Fliehkraft abstützen.

Die Federung ist ziemlich hart. Es rumpelt schon gewaltig, wenn der Asphalt mal nicht so gut ist. Es ist halt nur eine sehr schlichte Federungskonstruktion. Eine weichere Federung würde sich aber auch noch schwammiger anfühlen, befürchte ich. Da der Radstand ja sehr kurz ist, würde das Swift mit weicher Vorderradfederung beim Treten ständig schaukeln. Diesen Effekt konnte ich mal bei der wesentlich weicher gefederten Leitra bemerken. Auf dem Hinterrad würde ich mir aber eine weichere Federung wünschen. Mal sehen, was mir dazu noch einfällt.

Etwas negatives gibt es aber doch: Die Bremsen. Die Hinterradbremse ist sowieso nur zum massvollen Verlangsamen zu gebrauchen. Sonst blockiert das Hinterrad sofort. Die Trommelbremsen der Vorderräder kann man gar nicht blockieren, die Bremsen sind sehr schlapp. Steil bergab kann man kaum anhalten. Bis ich da eine Verbesserung erreiche muss ich meine Fahrweise danach richten.

Auf unbefestigtem Untergrund

Es gab auf meiner Strecke einige unbefestigte Feldwege. Da bin ich natürlich auch langsamer gefahren als auf dem Asphalt. Die Übersetzung der 3x7 ist aber so gut ausgelegt, dass ich auch im dicksten Schlamm noch mühelos weiterkam. Natürlich neigt auch hier das Hinterrad zum Durchrutschen. Allerdings war ich erstaunt, wie gut ich trotzdem zurecht kam. Mit dosiertem Treten ging es immer weiter, auch durch tiefe Pfützen und Schlamm durch.

Die Lenkung reagiert auf einseitige Schläge mit Einlenken. Dass lässt sich aber leicht gegensteuern.

An Steigungen

Wie gesagt, ist die Übersetzung der 3x7 gut ausgelegt. Ich fahre ja auch nur ein 48er Kettenblatt, wobei das Hinterrad 20" hat. Dadurch habe ich viele Abstufungen in den langsamen Berggängen. In dem von mir gefahrenen oberen Geschwindigkeitsbereich war aber auch immer genug Reserve, noch einen Gang höher zu schalten.

So ging es an Steigungen egal welchen Grades erstaunlich flott hoch. Die aufrechte Sitzposition und der relativ enge Sitzwinkel bewirken offenbar eine Vorspannung der Muskulatur, die festes Reintreten unterstützt. Tatsächlich fahre ich bisher auf dem Swift niedrigere Trittfrequenzen als auf anderen Liegerädern, was meinen Knien nicht so gut bekommt. Da muss ich mich noch eingewöhnen.

Selbst im dicksten Schlamm bin ich jede Steigung hochgekommen. Das war mir wichtig. Bergab hatte ich den Eindruck, dass das Swift nur träge Fahrt aufnimmt. Woher das kommt, kann ich nicht genau sagen.

Fazit

Das Swift zeigt ziemlich genau die Fahreigenschaften, die ich erwartet habe und für die ich es konstruiert habe. Es ist wendig und kompakt, ideal für den engen Stadtverkehr. Dafür ist es nicht so schnell wie schnittige Vollkunststoff-Velomobile. Allerdings habe ich auch nicht versucht, das Swift auf Geschwindigkeit auszufahren. Das kommt später, nach einer gewissen Gewöhnung an die Geometrie. Bisher habe ich auch noch nicht den Kippunkt ausgetestet. Damit meine ich, bei welcher Geschwindigkeit das Swift in Kurven anfängt, umzukippen. Mir wurden die auftretenden Fliehkräfte immer schon vorher ungemütlich. Ich konnte also alle Kurven so schnell nehmen, wie ich es haben wollte. Daher halte ich das Swift für sehr kippstabil :-)

100 km später...

Inzwischen habe ich mich so an das Swift gewöhnt, dass ich mich an das oben geschriebene kaum erinnern kann. Das Swift fährt sich wirklich angenehm (bis auf die rumpelige Federung), macht einen riesen Spass und ist sehr praktisch. Zum Rumliegen in der Sonne fehlt mir noch eine kleine Polsterfläche über dem Tretlager, um die Beine draufzulegen :-)


© April 2002, Wolfgang Bion
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